Intensiver Western mit fantastischem Hauptdarsteller: [usr 5.0]

Filmplakat The Revenant - Der Rückkehrer

Filmplakat The Revenant – Der Rückkehrer

1823 ist der nordamerikanische Kontinent noch kaum erschlossen, nicht kartographiert und in seiner Schönheit und Wildnis ein Hort unterschiedlichster Gefahren. Die Siedler steigen gerade ins Pelzgeschäft ein. Fallensteller streifen auf der Suche nach Bibern durch die Wälder und werden dabei von Konkurrenten, Indianern oder wilden Tieren bedroht.

Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und sein Sohn Hawk sind Teil einer Felljäger-Gruppe, die ihn angeheuert hat, weil er sich besser als jeder andere in den Wäldern Amerikas auskennt. Da er mit einer Indianerin des friedfertigen Pawnee-Stammes verheiratet war und selbst lang mit den Pawnee gelebt hat, hat er ein tieferes Verständnis der Natur und der geographischen Gegebenheiten des Landes als die Fallensteller. Diese sind zwar froh, dass Glass ihnen den Weg zeigen kann, richtig akzeptieren wollen die meisten ihn jedoch nicht. Eine Ausnahme bilde Captain Henry (Domhnall Gleeson), der weiß, was er Glass zu verdanken hat.

Als Ree-Indianer auf der Suche nach der entführten Tochter ihres Häuptlings das Lager der Pelzhändler vernichten und drei Viertel ihrer Gruppe töten, führt Glass die Überlebenden in die Wälder, sehr zu Missfallen von Fitzgerald (Tom Hardy), der vor allem daran interessiert ist, möglichst schnell seine Felle zu Geld zu machen.

Glass ist nur geduldet - Szenenbild aus The Revenant - Der Rückkehrer

Glass ist nur geduldet – Szenenbild aus The Revenant – Der Rückkehrer

Die unerwünschte Verzögerung auf dem Weg nach Hause wird noch größer, als Glass von einem Grizzly angegriffen wird. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit tötet Glass den Bären, bleibt jedoch selbst schwerst verletzt zurück. Während die meisten Jäger Glass am liebsten seinem Schicksal überlassen würden, besteht Captain Henry darauf, ihn zu versorgen und mitzunehmen. Je weiter die Gruppe jedoch in die Wildnis vordrängt, desto klarer wird, dass man die Last von Glass nicht weiter tragen können wird – und Glass ohnehin nicht überleben wird. Der Captain entscheidet, dass drei Männer bei Glass bleiben, bis er stirbt, und ihm ein anständiges Begräbnis organisieren. Als sich nur zwei Männer melden, Glass‘ Sohn und der junge Bridger (Will Poulter), erhöht der Captain den finanziellen Anteil beträchtlich, so dass Fitzgerald schließlich aus reiner Geldgier beschließt zu bleiben. So, wie Glass aussieht, kann es schließlich nicht zu lange dauern.

 


 

The Revenant – Rückkehr von den Toten

Doch Glass ist zäher, als alle dachten, und Fitzgerald wird irgendwann ungeduldig. Beim Versuch, Glass‘ Sterben zu beschleunigen, wird er von Hawk überrascht. Aus Angst um seine Belohnung tötet Fitzgerald Hawk und überzeugt Bridger, dass sie selbst in Gefahr sind, wenn sie Glass nicht lebend zurücklassen.

Im Fort angekommen, lässt Fitzgerald sich gleich den Lohn auszahlen. Währenddessen bringt Glass seine letzte Kraft auf, um zu genesen und mit letzter Kraft nach Fitzgerald zu suchen. Der Wunsch nach Rache für den Tod seines Sohns gibt ihm Stärke und Antrieb.

Auf sich allein gestellt gegen die unwirtliche Natur - Szenenbild aus The Revenant - Der Rückkehrer

Auf sich allein gestellt gegen die unwirtliche Natur – Szenenbild aus The Revenant – Der Rückkehrer

The Revenant – Der Rückkehrer ist die Verfilmung der gleichnamigen Romanvorlage von Michael Punke aus dem Jahr 2002. Diese wiederum geht auf die wahre Geschichte des Trappers Hugh Glass zurück, der in den USA zu einer regelrechten Legende geworden ist. Glass überlebte 1823 tatsächlich einen Grizzly-Angriff und wurde von seinen Begleitern zurückgelassen, um zu sterben. Doch Glass überlebte und kämpfte sich schwerverletzt durch die Widnis zurück zum Fort.

Die Verfilmung dieser Geschichte macht vor allem zwei Punkte deutlich. Das erste große Thema des Films ist der unbedingte Wille zu überleben, der Glass übermenschliche Kräfte verleiht. Wie zäh er ist, wie sehr er am Leben hängt, zeigt bereits die fast fünf Minuten dauernde Kampfszene mit dem Grizzly, die eine der intensivsten Szenen ist, die ich je in einem Film gesehen habe. Glass kann den deutlich überlegenen Bär nur deswegen besiegen, weil er in dem Moment nichts anderes will, als zu überleben, und alles, wirklich alles in seiner Macht stehende dafür einsetzt. Und dies ist bei weitem nicht das letzte Mal während seines Leidenswegs, dass er seine eigenen Grenzen überwinden muss, um der Natur noch ein kleines bisschen mehr Leben für sich selbst abzutrotzen.

Das zweite große Thema in The Revenant – Der Rückkehrer ist der Wunsch nach Rache, der Glass vorantreibt. Doch nicht nur für ihn ist Rache das Leitmotiv, auch die Red-Indianer wollen die Entführung der Häuptlingstochter rächen – und verursachen dadurch viel Leid. Dieser Wille, geschehenes Unrecht zu vergelten und damit aus der Welt zu schaffen wird daher in seiner ganzen Dialektik dargestellt. Menschlich, absolut nachvollziehbar und als guter Motor für weitere Kraft in eigentlich aussichtslosen Situationen treibt er Glass an wie den Grafen von Monte Christo. Am Ende bringt diese Rache jedoch keinerlei Gerechtigkeit, sondern verursacht nur weiteres Leid. Diesen Kreis zu unterbrechen, schaffen die Ree nicht, weil es nicht ihren Wertvorstellungen entspricht. Für Glass wird es nach all den Schwierigkeiten, denen er sich in der Natur gestellt hat, die größte Herausforderung überhaupt. Die Liebe zwischen Vater und Sohn, die trotz der Unfähigkeit beider, dies auszusprechen, permanent spürbar ist, bringt ihn einerseits zum Äußersten, andererseits aber auch dazu, sich selbst in Frage zu stellen.

Die Produktionsbedingungen für den Film waren besonders hart, und Leonardo DiCaprio (der für die Rolle des Glass hoffentlich endlich seinen wohlverdienten Oscar erhält) erklärte in mehreren Interviews, dass The Revenant ihn und auch die anderen Schauspieler immer  wieder an körperliche Grenzen gebracht hat. Gedreht wurde in unerschlossenen Gebieten in Kanada und Argentinien mit dem, was die Natur gerade bot: Die dargestellte Kälte ist real, die eisigen Flüsse mussten wirklich durchquert werden, und die Reaktion auf die rohe Bison-Leber, die DiCaprio essen muss, ist nicht gespielt.

Das Ergebnis ist ein sowohl inhaltlich packender als auch visuell überwältigender Film, der die Natur in ihrer ganzen Schönheit und zerstörerischen Kraft zeigt. Ähnliche Bilder sah man zuletzt im ebenfalls sehenswerten Grey – Unter Wölfen.

The Revenant – Der Rückkehrer war für vier Golden Globes und ist für acht BAFTAs nominiert, beide Male auch als bester Film. In drei Kategorien wurde The Revenant mit dem Golden Globe ausgezeichnet, als Bester Film – Drama, für die Beste Regie und Leonardo DiCaprio als Bester Hauptdarsteller – Drama. Es ist zu erwarten, dass der Film auch bei den Oscar-Nominierungen sehr gut abschneiden wird. Verdient hat es diese packende und beeindruckende Darstellung des Kampfes eines Manns gegen die Natur und gegen sich selbst in jedem Fall.

Infos zum Film

The Revenant – Der Rückkehrer
(The Revenant)

USA, 2015
156 Minuten
Filmverleih: Fox Deutschland
Regie: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Mark L. Smith, Alejandro González Iñárritu
mit Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter
FSK: frei ab 16

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