Coming-of-Age-Komödie mit ungewöhnlichem Humor: [usr 5.0]

Filmplakat The Kings of Summer

Filmplakat The Kings of Summer

Es gibt eine Phase im Leben – irgendwann zwischen 12 und 16 -, da haben es Eltern besonders leicht, alles falsch zu machen. Joe und Patrick sind genau in dieser Phase, und beide hadern auf unterschiedliche Weise mit ihrem Zuhause. Joe lebt nach dem Tod seiner Mutter und dem Auszug seiner Schwester allein mit seinem Vater und rebelliert gegen dessen strenge Regeln, indem er Zeug rumliegen lässt, das Bad bewusst noch eine halbe Stunde länger blockiert oder immer mal wieder die Polizei anruft, um einen Todesfall im Haus zu melden. Patricks Eltern fällt es sogar auf, wenn er ein anderes Hemd anzieht, als sie ihm rausgelegt hatten, und ohne Socken im Haus rumzulaufen ist für Patrick auch nicht möglich.

Die Ferien stehen vor der Tür, und beiden graut es vor der Vorstellung, diese zu Hause zu verbringen. Nach einem Streit mit seinem Vater hat Joe eine fantastische Idee, die seine und Patricks Probleme auf einen Schlag lösen könnte: Ein eigenes Haus muss her.

Joe, der nicht mal ein Vogelhaus als Schulprojekt bauen kann und sich mit seinem Vater sowieso ständig wegen herumliegendem Werkzeug streitet, nimmt von zu Hause alles mit, was er braucht, und baut gemeinsam mit dem schließlich überzeugten Patrick und dem etwas schrägen Biaggio, der sich den beiden einfach angeschlossen hat, heimlich eine Hütte im Wald. Als die endlich fertig ist, machen die drei Freunde die Biege, hauen von zu Hause ab und ziehen in ihr selbst gebautes Eigenheim. Natürlich ist das Leben im Wald nicht so einfach, wie die Jungs sich das vorgestellt haben, aber mit  Einfallsreichtum, der sie verbindenden Freundschaft und manchmal dem Rückgriff auf gelerntes Verhalten kommen sie erst mal auch ganz gut allein zurecht.


 

In der eigenen kleinen Gesellschaft erwachsen werden

The Kings of Summer zeigt eine andere Form des Erwachsenwerdens, keine, in der man mit der Umgebung klarkommen muss und sich gegen Mitschüler und Eltern durchzusetzen versucht. Stattdessen entziehen sich die Protagonisten des Films der Gesellschaft und versuchen einfach, mit der Welt zurechtzukommen, und damit auch mit sich selbst.

Die Figuren sind trotz leichter, liebevoller Überzeichnung absolut authentisch und in ihren Eigenheiten einzigartig. Dies trifft besonders auf die Eltern der drei Jungs zu. Patricks Mutter ist so überbehütend, dass man sie aus Erwachsenensicht zwar einerseits verstehen kann – ihrem Patrick soll natürlich nichts passieren – auf der anderen Seite aber auch gut nachvollziehen kann, dass sie ihren Teenager-Sohn einfach unglaublich nervt. Joes Vater vergisst über seine Einsamkeit die seines Sohns, und Biaggios Vater sieht man nur in einer einzigen Einstellung: beim Rasieren, ohne dass man die Gesichtszüge erkennen kann, und während Biaggio Spanisch mit seinem Vater spricht, antwortet dieser auf Englisch – Biaggios Vater lebt in seiner eigenen Welt und ist für den Sohn kaum sichtbar.

Die Darstellung der Eltern als Menschen, die einfach nicht aus ihrer Haut können, sorgt an vielen Stellen von The Kings of Summer für einen besonderen Humor, wenn beispielsweise Patricks Eltern, die ihrem Sohn gegenüber eine Wand aus auf Lebenserfahrung beruhrender Nachsichtigkeit bilden, ihrem Sohn eine Gemüsesuppe nebst Rezept-Tipps aufdrängen, die er mit zu seinem Freund nehmen sollen, und sich über die Naivität ihres Sohns freuen, als dieser ihnen sagt, dass niemand Gemüsesuppe mag. Auch Franks Vater sorgt mit seinem Sarkasmus einerseits für ein paar traurige Momente, weil dieser ganz klar eine Folge seiner Einsamkeit und ein Schutzschild zur Abwehr menschlicher Bindungen ist, auf der anderen Seite gibt er dem Film eine witzige Note.

Eine besondere Rolle im Film spielen auch Rhythmen, die durch das Bauen des Hauses, nervige Angewohnheiten der Eltern, aber auch ganz bewusst bei einer Percussion-Performance der Jungen in ihr Leben gebracht wird. Diese den ganzen Film durchziehenden, an Herzschläge erinnernden Trommel-Klänge machen The Kings of Summer auch akustisch zu einem Zeugnis pulsierenden Lebens und den eigenen Rhythmus findender Jugend.

Zum Finden des eigenen Platzes im Leben zählt natürlich, zu lernen und zu akzeptieren, dass man auch mal scheitern kann. Dies trifft besonders auf Joe zu, der sich den einen Wunsch erfüllen kann, auf einen anderen aber verzichten muss, und dessen Freundschaft mit Patrick sich an der Realität beweisen muss.

The Kings of Summer hatte seine Premiere auf dem Sundance Film Festival 2013 und ist am 12.6. in den deutschen Kinos gestartet, ist parallel dazu aber auch bereits auf DVD erhältlich. Diese tolle Coming-of-Age-Komödie mit besonderer Idee und tollem Humor ist nicht nur eine Empfehlung für Freunde des Genres, sondern grundsätzlich für Fans von Independent-Filmen.

Infos zum Film

The Kings of Summer
USA 2013
94 Minuten
Filmverleih: Studiocanal
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Drehbuch: Chris Galletta
mit Nick Robinson, Moisés Arias,
Gabriel Basso, Alison Brie,
Nick Offerman, Megan Mullally,
Austin Abrams
FSK: frei ab 12

 

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