Berührende Hommage an Eigensinn, die Liebe und die 1980er: [usr 4.0]

Filmplakat Taxi

Filmplakat Taxi

1986 ist es noch nicht selbstverständlich, dass in jedem Stellenangebot das obligatorische „(m/w)“ am Ende des Titels darauf hinweist, dass man auch als Frau eine Chance auf den Job hat. Da Alex (Rosalie Thomass) gerade ihre Ausbildung bei einer Versicherung geschmisen hat und mit 25 nun endlich bei ihren nervenden Eltern und ihrem arroganten Bruder ausziehen will, denkt sie nicht lange nach, als in einer Anzeige auch nach Taxifahrerinnen gesucht wird. Sie bekommt den Job – sehr zum Entsetzen ihrer Familie – und freut sich darauf, nun endlich auf eigenen Füßen zu stehen und in ihrem Taxi Zwo-Doppel-Vier die meiste Zeit ihre Ruhe zu haben. Da sie keine Lust auf Stau hat, übernimmt Alex hauptsächlich die Nacht-Schicht, fährt ihre Kunden zu den Hamburger Clubs und auch mal ins Rotlicht-Viertel.

Bei den dann doch ausschließlich männlichen Kollegen kommt Alex zwar gut an – sie ist hübsch, jung und nicht auf den Mund gefallen – doch wirklich ernst nimmt man sie nicht. Irgendwo zwischen nachsichtig und herablassend behandelt man sie, Kollege Dietrich (Stipe Erceg), mit dem sie eher aus Höflichkeit eine Beziehung eingeht, schenkt ihr erst mal ein paar Bücher, um ihre Bildungsniveau zu heben, und wie selbstverständlich gehen die Kollegen in Alex‘ neuer Wohnung ein und aus. Als der Chef in finanzielle Schwierigkeiten gerät, fragt er natürlich nur Alex, ob sie nicht vielleicht das Büro putzen kann, damit man sich die Kosten für die Reinigungskraft spart. Doch Alex lehnt ab, schmeißt die aufdringlichen Kollegen aus ihrem Appartment und rührt die Bücher, die Dietrich ihr „empfohlen“ hat, nicht an: Auch wenn es ihr nicht leicht gemacht wird, geht sie ihren eigenen Weg.

Ganz der Hamburger Coolness entsprungen lässt Alex niemanden wirklich in ihr Leben. Das ändert sich, als sie Marc (Peter Dinklage), einen bekannten von früher, wiedertrifft. Der gerade mal 1,35 große Mann schafft es, Alex‘ rauer Schale einen Riss zu verpassen, und bringt sie dazu, sich ernsthaft damit zu beschäftigen, wo sie in ihrem Leben hin will. Obwohl sie es nicht vorhat und ihre Beziehung zu Dietrich so ambitionslos weiterläuft wie bisher, verliebt sich Alex in Marc und findet zum ersten Mal etwas, für das sie kämpfen muss – und will.


 

Im Taxi durch die Nacht und durch das Leben

Taxi ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Karen Duve aus dem Jahr 2008. Duve verfasste auch das Drehbuch zum Film, was sicher dazu beigetragen hat, dass der Charme der Vorlage weitestgehend erhalten blieb. Ein bisschen Zeit braucht der Film, um einen in seinen Bann zu ziehen, da er gerade am Anfang wie ein typischer deutscher Komödie mit flachen Witzen und einem aus möglichst vielen bekannten Gesichtern (Armin Rohde, „Tech-Nick“ Antoine Monot jr., Tobias Schenke und Robert Stadlober sind allesamt in kleinen Nebenrollen zu sehen) zusammengewürfelten Cast wirkt. Doch die Geschichte um Alex, die im Taxi auf der Suche nach sich selbst ist, überzeugt gleich in zweierlei Hinsicht. Zum einen macht es wirklich Spaß, Alex zuzusehen, die sich mit Härte und einer guten Portion Gleichgültigkeit in der Männerwelt der 1980er durchsetzt, auch wenn sie mindestens einmal dabei den Bogen überspannt. Dabei verhält sie sich an ganz vielen Stellen einfach wie ein Mann – und eckt dadurch natürlich an. Darüber hinaus ist die Liebesgeschichte zwischen Alex und Marc eine der schönsten der neueren deutschen Literatur, und diese ist auch im Film wunderbar eingefangen. Das ist natürlich nicht zuletzt dem Spiel von Hauptdarstellerin Rosalie Thomass und ihrem männlichen Gegenpart Peter Dinklage, der den Tyrion Lannister in Game of Thrones spiet, zu verdanken.

Taxi startet am 20. August in den Kinos. Nicht nur Fans der Literatur-Vorlage sollten sich den Termin schon mal vormerken.

Infos zum Film

Taxi
Deutschland, 2015
98 Minuten
Filmverleih: Farbfilm
Regie: Kerstin Ahlrichs
Drehbuch: Karen Duve
mit Peter Dinklage, Rosalie Thomass, Stipe Erceg, Robert Stadlober, Armin Rohde, Tobias Schenke, Antoine Monot jr.
FSK: frei ab 6

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