Nathalie küsst (David und Stéphane Foenkinos)

Nathalie küsst (David und Stéphane Foenkinos)

Filmplakat zu "Nathalie küsst"
Filmplakat zu „Nathalie küsst“

Ich geb’s zu: Wenn mich die Romanvorlage letztes Jahr nicht so charmant um den Finger gewickelt hätte, hätte ich Nathalie küsst wahrscheinlich gar nicht angesehen. Aber ich war neugierig darauf, wie man dieses Buch, das vor allem durch seine untypischen Elemente (eingefügte Listen, Aphorismen oder Liedtexte) zu etwas Besonderem wird, in einen Film umgesetzt hatte. Und ein bisschen hatte ich daran gezweifelt, dass das möglich ist. Dass jedoch Autor David Foenkinos gemeinsam mit seinem Bruder Stéphane Regie führte, ließ darauf hoffen, dass zumindest nicht etwas völlig anderes aus der Geschichte gemacht wurde.

 

Verlust der einen großen Liebe

Inhaltlich hält sich Nathalie küsst eng an das gleichnamige Buch. Nathalie (Audrey Tautou) lernt als junge Frau François (Pio Marmaï) kennen. Die beiden verlieben sich, heiraten und sind sich so nah wie niemandem sonst. Alles läuft perfekt: Das junge Ehepaar hat eine tolle Zeit miteinander, und Nathalie findet zudem eine Festanstellung in einem Büro, über das man lediglich weiß, dass es zu einer schwedischen Muttergesellschaft gehört. (Witziges Detail: Es gibt Meetings, Akten, Abteilungen – doch was in dieser Firma inhaltlich passiert, erfährt man nicht.) Doch Nathalies Glück zerbricht, als François beim Joggen überfahren wird und stirbt. Sie zieht sich zurück, hat kaum Kontakt zur Außenwelt und stürzt sich in die Arbeit. Ihr Chef Charles (Bruno Todeschini), der von Anfang an ein Auge auf sie geworfen hatte, sieht seine Chance gekommen und bietet seine Schulter zum Ausweinen und vor allem Anlehnen an. Doch Nathalie hat kein Interesse.

 

Szenenbild aus Nathalie küsst
„Zufällig“ über den Weg gelaufen: Nathalie und Markus

Nathalie küsst – ausgerechnet Markus

Am Morgen nach einem Abendessen mit Charles, bei dem Nathalie klargestellt hat, dass sich nie etwas zwischen den beiden ergeben wird, ist Nathalies Mitarbeiter Markus (François Damiens) offensichtlich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Er kommt in Nathalies Büro, um nach einer Akte zu fragen. Doch Nathalie ist wohl just in dem Moment etwas verwirrt und küsst den auffällig unauffälligen Mann plötzlich und ohne Grund. Markus, der von selbst wahrscheinlich nie auch nur im entferntesten auf die Idee gekommen wäre, dass er eine Chance bei Nathalie haben könnte, ist nun hin und weg und gibt sich die allergrößte Mühe, sie für sich zu gewinnen. Und gerade seine unbeholfene Art und seine Zurückhaltung sind offenbar genau das, was Nathalie am dringendsten braucht.

 

Nette Unterhaltung ohne großes Grübeln

Insgesamt ist die Umsetzung des Romans auch in der Verfilmung von Nathalie küsst recht gut gelungen. Während ich im ersten Teil noch das Gefühl hatte, dass der Stil des Buchs einfach nicht im Film eingefangen werden kann, wurde mit Auftauchen von Markus, der genau wie in der Romanvorlage einfach mit Nathalie zusammen sein möchte und sich nicht (oder nur ganz selten) an sich selbst oder der Welt stört, der Charme der Vorlage getroffen. Vielleicht ist François‘ Tod nicht ganz so kehle-zuschnürend traurig wie im Buch, vielleicht kommt der seit Jahren in Nathalie verliebte Charles ein wenig zu schlecht weg, aber alles in allem schafft es der Film ebenso wie das Buch, witzig und traurig zugleich zu sein, ohne klamaukig oder pathetisch zu werden. Das bringt einen zwar nicht noch wochenlang ins Nachdenken, aber für einen netten Kinoabend reicht das allemal. Und manchmal will man ja genau das.

Infos zum Film

Nathalie küsst (La délicatesse)
Frankreich 2011
108 Minuten
Filmverleih: Concorde Film
Regie: David Foenkinos, Stéphane Foenkinos
Drehbuch: David Foenkinos
mit Audrey Tautou, François Damiens, Bruno Todeschini
FSK: ab 0 Jahre

 

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