Filmplakat "Die Monster Uni" © Disney/Pixar

Filmplakat „Die Monster Uni“ © Disney/Pixar

Mit Geschichten ist es so: Jede hat eine Vorgeschichte. Bei besonders guten Geschichten möchte man diese am liebsten auch gleich wissen, und mit „Die Monster Uni“ sind Pixar und Disney diesem Wunsch nachgekommen. Das Prequel zum hinreißenden Animationsfilm „Die Monster AG“ erzählt die Geschichte der beiden Monster-Freunde Mike Glotzkowski und James P. „Sulley“ Sullivan, bevor sie in der Monster AG Kollegen sind.

Mike (in der Original-Fassung gesprochen von Billy Crystal, im Deutschen von Ilja Richter) träumt schon als Kind davon, ein professioneller Schrecker zu werden, der für die Monster-Welt Energie erzeugt, indem er Menschenkinder erschreckt. Leider fehlt es ihm dazu entscheidend an Schrecklichkeit. Mit herzzerreißendem – und leider völlig unangebrachtem – Optimismus versucht er beim Schulausflug einen Partner für die Zweierreihe zu finden und landet am Ende doch wieder bei der Lehrerin, denn Niedlichkeit – und davon hat der Einäugige mehr als genug abbekommen – ist unter Monster-Kindern überhaupt nicht angesagt. Doch Mike verliert die Hoffnung nicht. Besonderen Aufwind bekommt er, als ihm nach einem heimlichen und eigentlich verbotenen Ausflug in ein Kinderzimmer von einem Profi-Schrecker höchstpersönlich ein gewisses Talent bescheinigt wird. Für Mike steht nun unumstößlich fest: Er wird eines Tages auf die Monster-Uni gehen, um dort alles über das Erschrecken zu lernen, was die Monster-Theorie hergibt.


 

Die Monster Uni: Es gibt immer einen Plan B

Mike ist ein Monster, das umsetzt, was es sich vornimmt, und so kommt er ein paar Jahre später tatsächlich mit Sack und Pack an die Monster-Uni, wo er mit seiner naiv-überschwenglichen Art und seinem reizenden Auftreten gleich wieder negativ auffällt. In der ersten Vorlesung bekommt er von Dekanin Hardscrabble die klare Ansage, dass er es sowieso nicht über das erste Semester hinaus schaffen wird, die verschiedenen Studenten-Verbindungen, für die Mike sich ziemlich interessiert, reden nicht mal mit ihm und der arrogante Sulley schaut auf Mike hinab, denn Sulley stammt anders als Mike aus einer erfolgreichen und berühmten Schrecker-Familie und hat es allein auf Grund seiner Größe gar nicht nötig, etwas über das Erschrecken zu lernen. Immerhin ist Mikes Zimmergenosse auf dem Campus nett: Randy Boggs ist ein freundliches kleines Reptil, das später in „Die Monster AG“ unter seinem Namen Randall zum Oberschurken wird.

Außerdem hat Mike etwas, das seinen feier-freudigen Kommilitonen abgeht: Ausdauer bis zum Umfallen. Was ihm an Monsterhaftigkeit fehlt, gleicht er durch Fleiß und Beharrlichkeit aus, und er ist sich sicher, dass er bei der Abschlussprüfung im Schreck-Simulator überzeugen kann. Doch so weit kommt es gar nicht – ein Rempler von Sulley und alle Schrecker-Träume gehen den Bach runter. Denn Mike reißt den Schrei-Kanister der Dekanin herunter, der den legendärsten von ihr eingefangenen Schrei enthält – oder enthielt. Für Mike und Sulley bedeutet das einen Studienfach-Wechsel und statt einer Karriere als Schrecker steht ihnen nur eine zermürbende und langweile Laufbahn als Schrei-Kanister-Designer bevor.

Mike jedoch gibt seinen Traum nicht auf. Einen Weg gibt es noch, wieder bei den Schreckwissenschaften aufgenommen zu werden. Im Rahmen der großen Schreckspiele (die ein bisschen an die Hungerspiele erinnern, aber dann doch nicht ganz so schrecklich sind) können alle Studenten-Verbindungen ihre Schrecker-Qualitäten unter Beweis stellen. Wer hier gewinnt, darf auf jeden Fall weiter studieren, denn schließlich zählt er zu den schlimmsten Schreckern weit und breit.

Ganz und gar nicht schrecklich: Omega Kreischma - Szenenbild aus "Die Monster Uni", © Disney/Pixar

Ganz und gar nicht schrecklich: Omega Kreischma – Szenenbild aus „Die Monster Uni“, © Disney/Pixar

Mike und Sulley setzen alles daran, eine Verbindung zu finden, die sie aufnimmt, doch die einzigen, denen ihr Ruf nicht zu heilig für die beiden Außenseiter ist, sind OK – Omega Kreischma – eine Loser-Truppe, die selbst gegen Mike ziemlich harmlos wirkt. Doch Mike und Sulley bringen die leicht chaotische Verbindung auf Vordermann, der eine in der Theorie, der andere in der Praxis. Was aber alle bald herausfinden: Noch so gute Kenntnisse bringen nichts, wenn das Team nicht zusammenarbeitet. Und hier hat OK den anderen Verbindungen tatsächlich einiges voraus.

Ein Prequel zu einer so originellen Geschichte wie „Die Monster AG“ hat es natürlich besonders schwer, denn mit Originalität kann man nicht mehr gut punkten, wenn das Ende schon bekannt ist. „Die Monster-Uni“ leidet darunter jedoch keineswegs, denn dem Film gelingt es auf der einen Seite, den Charme und die Stimmung von „Die Monster AG“ aufrecht zu erhalten, andererseits bringt gerade der Blick auf die Zeit „vorher“ etwas Neues und Besonderes in die Story. Dass Mike und Sulley nicht von Anfang an Freunde waren, sondern sich erst mühsam (aber dafür dauerhaft) finden mussten oder dass Randall Boggs mal ein echt lieber Kerl war, ist auch für eingefleischte Fans spannend. Darüber hinaus ist in „Die Monster Uni“ Mike und nicht Sulley die klare Hauptfigur, und dieser Perspektivwechsel wirkt ebenfalls originell und erfrischend. Auch ohne den zeitlichen Nachfolger zu kennen, bietet „Die Monster Uni“ eine tolle und mitreißende Geschichte, zum einen natürlich über Freundschaft, zum anderen aber auch darüber, dass es sich wirklich lohnt, nicht aufzugeben, und dass nicht nur viele, sondern manchmal auch ganz unerwartete Wege nach Rom führen.

„Die Monster AG“ zählt zu meinen Favoriten unter den Animationsfilmen, da hier eine besonders schöne Figurenentwicklung beschrieben und eine absolut reizende Geschichte erzählt wird. Daher habe ich mich auf „Die Monster Uni“ einerseits gefreut, andererseits war ich skeptisch, ob das Prequel mich nicht vielleicht doch enttäuscht. Das Gegenteil ist der Fall: „Die Monster Uni“ ist ein absolut charmanter Film, der Kinder und Erwachsene auf unterschiedlichen Ebenen anspricht, ebenfalls absolut reizend ist und eine verwandte, aber doch eigenständige Botschaft enthält.

Infos zum Film

Die Monster Uni
(Monsters University)

USA, 2013
100 Minuten
Filmverleih: Walt Disney
Regie: Dan Scanlon
Drehbuch: Robert L. Baird
mit Billy Crystal,
John Goodman, Peter Sohn,
Charlie Day, Helen Mirren,
Steve Buscemi
FSK: frei ab 0

 

[manual_related_posts]
Google

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen